Steuern in Deutschland – wer zahlt wieviel?

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Ist die Steuerlast in Deutschland fair verteilt, zu hoch oder zu niedrig? Arbeiten wir wirklich das halbe Jahr fürs Finanzamt? Woher kommen die Einnahmen – zahlt das meiste der einfache Arbeitnehmer oder die großen Unternehmen und wie werden die Einnahmen im Anschluss verwendet bzw. verteilt?

Diese Fragen stellt sich irgendwann jeder. Jedoch sind die Berichte des Bundesfinanzministeriums nicht einfach zu lesen und verstehen. Wir beleuchten einmal die Steuereinnahmen des Bundes und der Länder in den Jahren 2010 – 2019 und analysieren die Verteilung der Steuerlast in der Bevölkerung.

Beginnen wir mit den Gesamtsteuereinnahmen 2018 und 2019 aus diesem Dokument des BFM (Steuereinnahmen 2019):

Gesamtsteuer 2018: 713.575.672.000 € (also ca. 713 Milliarden Euro)
Gesamtsteuer 2019: 735.869.412.000 € (also ca. 735 Milliarden Euro)

Schauen wir uns nun die Verteilung der Steuereinnahmen (abgerundet auf volle Milliarden Euro) in 2019 an:
Lohnsteuer: 219 Milliarden Euro
Einkommensteuer: 63 Milliarden Euro
nicht vernanlagte Steuer vor Ertrag: 23 Mrd. Euro
Abgeltungssteuer: 5 Mrd. Euro
Körperschaftsstuer: 32 Mrd. Euro
Umsatzsteuer: 183 Mrd. Euro
Einfuhrumsatzsteuer: 60 Mrd. Euro
Gewerbesteuerumlage: 4 Mrd. Euro
Erhöhte Gewerbesteuerumlage: 3 Mrd. Euro
Gesamt: ca. 595 Mrd. Euro

Zusätzliche Steuern auf Bundesebene wie zum Beispiel Tabaksteuer, Energiesteuer, Schaumweinsteuer, Solidaritätszuschlag etc.: 109 Mrd. Euro

Zusätzliche Steuern auf Landesebene (Bundesländer; z.B. Vermögen- und Erbschaftsteuer): 25 Mrd. Euro

Hinzu kommen Zölle i.H.v. 5 Mrd Euro, um auf den Gesamtbetrag von ca. 735 Mrd. Euro zu kommen.

Die Vermögensteuer der Länder hat sowohl im Jahr 2018 ein Minus i.H.v. 103.000 Euro als auch im Jahr 2019 ein Minus i.H.v. 54.000 € erbracht!

Nun schauen wir uns einmal an welche Bevölkerungsgruppe diese Steuern zahlt. Denn hier wird es interessant.

Lohnsteuer, Einkommensteuer, Energiesteuer usw. werden hauptsächlich von den normalen Angestellten und Freiberuflern bzw. Selbstständigen und Einzelbetrieben bezahlt. Es fällt daher sehr viel leichter sich anzuschauen was die großen Global Player tatsächlich zahlen. Dies sind zum einen die Körperschaftsteuer (23 Mrd. Euro), Gewerbesteuer (zum Teil: 8,1 Mrd Euro). Die Umsatzsteuer, die einen sagenhaften Betrag von 243 Mrd. Euro umfasst hingegen, wird zwar von den Unternehmen und Selbstständigen abgeführt, ist aber ein durchlaufender Posten, der auf den Nettobetrag der Dienstleistung bzw. des verkauften Produktes aufgeschlagen wird. Dieser wird für alle Unternehmer (auch den Einzelerwerbstätigen) erstattet beim Einkauf von Waren und Dienstleistungen (Vorsteuerabzug). Die breite Masse der Angestellten, Rentner und Arbeitslosen usw. kann dies aber nicht und zahlt daher den Löwenanteil auch dieser Steuer.

Weitere Steuern wie Kraftfahrzeugsteuer (9,3 Mrd Euro) oder Stromsteuer (6,6 Mrd. Euro; Unternehmen sind zu weiten Teilen davon befreit und zahlen so nur 6-10 Cent pro kWh Strom) sind wiederum vom Gewinn steuerabzugsfähig.

Ferner nutzen die Global Player eine Gesetzeslücke nach der Gewinne, die ins Ausland transferiert werden, nicht im Herkunftsland zu besteuern sind. Hierbei werden Briefkastenfirmen in Luxemburg, Monaco, Panama etc. genutzt, um in Deutschland eben keine Einkommensteuer zahlen zu müssen.

https://www.deutschlandfunk.de/europa-und-die-steuerflucht-warum-multinationale-konzerne.724.de.html?dram:article_id=429393

Nach diesen Erkenntnissen bleibt also die Hauptsteuerlast beim normalen Angestellten hängen. Wir gehen von ca. 80-90 % aus, die dieser zahlen muss. Das sind also ungefähr 600 Mrd. Euro im Jahr 2019. Laut Statistischem Bundesamt waren im Januar 2019 44,7 Millionen Erwerbstätige gemeldet. Damit hat jeder dieser Angestellten, Freiberufler und Gewerbetreibenden sagenhafte 13.422 Euro Steuern bezahlt. Das ist der Durchschnitt. Dabei sind natürlich viele 450,- Euro Jobber, Teilzeitkräfte usw., die deutlich weniger bezahlt haben und hierfür wiederum andere Vollzeiterwerbstätige, die deutlich mehr zahlen mussten.

Nun schauen wir uns mal die Steuerlast eines einzelnen Arbeitnehmers an. Hierfür gehen wir von 40.000 € Bruttojahresgehalt aus. Der Angestellte ist in Steuerklasse 1 ohne Kinderfreibeträge, inkl. Kirchensteuer und Geburtsjahr nach 1955 und arbeitet in Baden-Württemberg.

Nettolohn sind 25.151,86 Euro pro Jahr. Davon sind 6.060 Euro Lohnsteuer, 333,30 Euro Solidaritätszuschlag, 484,80 Euro Kirchensteuer. Zudem 7.970,04 Euro Sozialversicherung (diese ist nicht freiwillig und zählt für uns daher als versteckte Steuer). Der Arbeitgeber muss weitere 7.970,04 Euro für die Sozialversicherung hinzu zahlen. Geld, dass dem Arbeitnehmer ebenso fehlt, da dieser sonst ggf. mehr Brutto verdienen könnte. Wir rechnen diese möglichen Mehreinnahmen aber NICHT ein. Es bleiben also 25.151,86 Euro netto übrig. Sind jetzt alle Steuern fürs Jahr bezahlt? Nein.
Jetzt geht es erst richtig los: Nehmen wir mal Strom. Hierbei sind in 2017 sage und schreibe 22,7 Cent pro kWh Aufschläge zusammengekommen (Netzentgelt, Stromsteuer, EEG-Umlage, Konzessionsabgabge, 19% Mwst usw.).
Wir nehmen also mal 80% der jährlichen Stromkosten i.H. 600 € als Steuer, das macht 480 €.
Das Auto kostet ebenfalls viele Steuern. Der Arbeitnehmer muss, wenn er nicht drei Stunden täglich mit den Öffentlichen fahren möchte, also ein Auto verwenden. Hierbei pendelt dieser 50 km zur Arbeit und 50 km zurück an 20 Arbeitstagen. Er fährt daher einen günstigeren Diesel mit 6l Verbrauch auf 100 km. Macht aufs Jahr gerechnet 24.000 km also 240 * 6 = 1.440l Verbrauch * ca. 1 Euro Steuern pro Liter Diesel, ergo 1.440 € Steuern pro Jahr für den Treibstoff.
KFZ-Steuer jährlich: 250 €
Kraftstoffsteuer jährlich: 1.440 €
Fahrzeugsteuer antlg. pro Jahr: 2.000 € (Mehrwertsteuer, Lohnsteuer für die Herstellung und Lieferung der Teile, weitere indirekte Steuern)
Inspektionen, TÜV, Versicherungssteuer etc.: 200 € p. A.
Macht in Summe 3.890 € pro Jahr nur an Steuerlast fürs Fahrzeug.

Nun kumulieren wir mal 600 € monatliche Ausgaben für Lebensmittel, Kleidung, Elektronikartikel usw. Hierbei müssen wir indirekte Steuern für die Lieferung (Mineralölsteuer) der Bauteile sowie die Lohnsteuer fürs Zusammenbauen bzw. Herstellen der Artikel mit einkalkulieren, da diese den Preis erhöhen und die Kosten hierfür immer der Verbraucher trägt (kein Unternehmen der Welt möchte mit verkauftem Gut Verlust machen). Wir kalkulieren mal mit 50%, also 3.600 € jährlich an Steuerlast, was nüchtern betrachtet noch verhältnismäßig gering ist und der tatsächliche Steueranteil eher höher liegt.

Leider raucht unser Max Mustermann Vorzeigekandidat noch. Für 250 € im Monat raucht er täglich min. eine 8 € Packung einer bekannten Zigarettenmarke. Hiervon sind ca. 6 € Steuern, also 3/4. 12 * 250 * 3/4 = 2.250 € reine Steuerlast.

GEZ kommt noch auf ihn zu, ca. 200 € im Jahr. Ja, das ist auch eine versteckte Steuer, nichts anderes. Wenn der Staat einen zwingt etwas zu zahlen, egal für was, dann sind es unserer Meinung nach immer Steuern! Man kann eine Giraffe auch Karnickel nennen, ändert aber nichts daran, dass es in der Tatsache eine Giraffe bleibt.

  • Strom: 480 €
  • Fahrzeug: 3.890 €
  • Täglicher Bedarf: 3.600 €
  • Zigaretten: 2.250 €
  • GEZ: 200 €
    _______________________
    Summe: 10.420 €

Nun kalkulieren wir einmal weitere 1.000 € für sämtliche sonst im Jahr anfallenden Steuern wie Reisen, Erbschaften, Branntwein- und Alkopopsteuer usw.

Das heißt von Netto 25.151,86 Euro bleiben 13.731,86 Euro tatsächliches Netto übrig. Also von 40.000 € Brutto (eigentlich 47.840 € Brutto inkl. AG-Anteil Sozialabgaben), fallen unfassbare 34.108,14 Euro dem Staat zum Opfer. Das sind 85,27 % Steuerlast. Tatsächlich bewegen wir uns bei einem durchschnittlichen Einkommen also bei 80 – 90 % Steuerlast in Deutschland. Wir arbeiten also nicht bis Juni fürs Finanzamt, sondern eher bis Mitte November

Und Unternehmen wie Amazon, Google, Facebook, Apple usw. zahlen in Deutschland so gut wie überhaupt keine Steuern. Müssen aber laut dem Steuergesetz in den USA ihre Gewinne weltweit, sofern Ihr Unternehmenshauptsitz in den USA ist, dort „nochmal“ versteuern! Siehe https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/apple-apple-chef-kuendigt-milliarden-steuerzahlung-in-den-usa-an-1.3144358

Ist das Steuersystem in der BRD gerecht? Nein, es ist ein derartiger Missstand, der nur durch die Akzeptanz der Masse zu begründen ist. Wenn diejenigen, die den Löwenanteil der Steuerlast tragen auf die Straße gehen würden, wäre hier eine Änderung herbeizuführen, die für mehr Gerechtigkeit und Wohlstand in weiten Teilen der Bevölkerung führen würde.

Wie wäre es besser möglich? Das Steuergesetz in Deutschland ist ein absoluter Dschungel und es wird häufig damit begründet, dass es so kompliziert sein muss, um alles fair zu erfassen. Das funktioniert aber nicht. Im Gegenteil. Durch Cum-Ex-Geschäfte wurde sogar von Arbeitnehmern einbezahltes Steuergeld von korrupten Bänkern und Reichen gestohlen! Also nicht nur wurde zu wenig bezahlt, nein man hat sich mehr Steuern geholt als überhaupt bezahlt wurden. Und das ging 30 Jahre so, ein Schelm wer böses dabei denkt über unsere eloquenten Politiker.

Die Lösung wäre aber nicht kompliziert, sondern absolut einfach:
§1 Steuergesetz nach Renoi.org:
Alle in Deutschland erwirtschafteten Gewinne sind zu min. 30 % – ohne Ausnahme – einkommensteuerpflichtig.

Bei einem Bruttoinlandsprodukt in 2019 von 3.440 Mrd. Euro, würde hier bestimmt was Sinnvolles erhalten bleiben.

Nun noch eine schöne Statistik über die Entwicklung der Einnahmen der Steuer in Deutschland – falls Ihnen mal wieder ein Politiker sagt „das Geld sei alle“:

Steuereinnahmen 1991 bis 2023 BRD

Wir man schön sieht, sind alleine durch die Inflation und das Wirtschafstwachstum die Steuereinnahmen in 9 Jahren um 263,1 Mrd. Euro angewachsen! Die Steuereinnahmen des Bundes sind dabei fast um 50% von 225,8 auf 324,3 Mrd. Euro gewachsen. In 9 Jahren. NEUN.

Das wäre auch alles kein Problem. Wenn wir hierfür eine entsprechend wertige Gegenleistung erhielten. Aber weder ist das Gesundheitssystem auf einem entsprechenden Niveau, noch die Renten, noch die Vermögensverteilung im Verhältnis zu anderen Ländern positiv für den Normalsterblichen. Es wird immer wieder von nötigen Einsparungen gefaselt und dann genau bei denen eingespart, die den Löwenanteil einzahlen – eine absolute Sauerei!
https://www.wiwo.de/politik/deutschland/renten-vs-pensionen-980-milliarden-fuer-pensionierte-beamte/8728392-2.html

http://www.arm-und-reich.de/internationaler-vergleich/vermoegen.html

Deutsche besitzen weniger als 18 europäische Nachbarn:

Der mittlere Haushalt sammelt hierzulande ein Nettovermögen von 60 000 Euro an, deutlich weniger als der Durchschnitt der Bürger von 18 Euro-Staaten.

Wir schließen mit einem Zitat unseres ehemaligen Oberstufenlehrers für Gemeinschaftskunde und Politik Herrn Theiß:

Die Politik wird immer den Weg des geringsten Widerstands gehen. Wer also nicht demonstriert, schadet sich selbst.

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